9. Epistasie

Manche Gene überlagern in ihrer Ausprägung andere Gene, die auf völlig anderen Genorten liegen. Sie verhalten sich epistatisch. Ein wichtiges Beispiel ist wieder in der Farbvererbung zu finden: Wenn ein Hund eine bestimmte Grundfarbe hat, diese aber von großflächigen weißen Abzeichen verdeckt wird, nennt man das Epistasie, also Überlagerung:
Die Grundfarbe eines Hundes kann eingeschränkt werden von unterschiedlich starken weißen Abzeichen, die aus der sogenannten Scheckungsserie gebildet werden, eine Reihe von vier unterschiedlichen allelen Genen auf einem ganz anderen Genort als dem für die Grundfarbe des Hundes. Die Neigung zu Weißscheckung und die Grundfarbe eines Hundes vererben sich völlig unabhängig voneinander !!! (siehe 3. Mendelsche Regel, Mendel hat hier die unabhängige Vererbung von Merkmalen auf verschiedenen Genorten bewiesen). 
Das erste, dominante Gen "S" dieser Allel- Serie (siehe Punkt
2) bedeutet "keine oder sehr kleine Abzeichen". Das nächste Gen "s-i" verursacht klar begrenzte weiße Abzeichen, an Pfoten, ev. Schwanzspitze, Brust und manchmal auch einen Schal am Hals; das dritte Gen, "s-p" bringt unregelmäßige großflächige Scheckung, und das letzte Gen, "s-w" verursacht eine fast komplette Weißfärbung, mit nur noch einigen kleinen Flecken in der Ursprungsfarbe, z.B. in zobel oder schwarz. Diese letzten Flecken liegen meistens am Rutenansatz oder am Kopf. Dieses Gen kann den Hund in seltenen Fällen sogar komplett weiß erscheinen lassen, bei schwarzer Nase und dunklen Augen, obwohl nach wie vor seine genetische Grundfarbe eine ganz andere ist. Diese weiße Farbe ist leider äußerlich nicht zu unterscheiden von einer genetisch ganz anders verursachten Weißfärbung, die von einem Gen der sogenannten Chinchilla- Serie verursacht wird. 
Man nimmt an, dass sich die einzelnen Scheckungs- Gene in dieser Reihenfolge dominant- rezessiv verhalten. Das heißt, dass das letzte Gen, "s-w", reinerbig vorkommen müßte, damit der Hund wirklich großflächig weiß wird. Interessant ist das alles auch deshalb, weil die relativ seltene Taubheit bei Hunden in Zusammenhang gesehen wird mit dieser unterdrückten Ausbildung der Grundfarbe, wobei die einseitige Taubheit nur beim Tierarzt festgestellt werden kann, der Hund läßt sich selbst nichts anmerken. Diese Form der Taubheit kann unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse bei allen Hunden auftreten, die diese Form der Extremscheckung haben, also z.B. auch Bullterrier, Jack Russel Terrier, Greyhound, usw.. 
Allerdings trifft die Taubheit nur einen sehr kleinen Teil der Welpen mit diesem Scheckungs- Gen, und in Testpaarungen bei Bullterriern blieb sie auch nicht auf die überwiegend weißen Hunde beschränkt ... was  soviel heißt wie: "nichts genaues weiß man nicht".

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